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ID 14607

POLIS


cover
Jahrgang: 2013

Verlag: Pegasus [->]
Autor: Fran Diaz
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2-2

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150

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ab 14


f5
Bewertung angespielt: 9.5 von 10
punkte

Score gesamt: 63.0% von 100
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Rezension

Ziel

Das fünfte Jahrhundert vor Christus war die Blütezeit griechischer Stadtstaaten (=Poleis). Vor allem prägten Kriege diese Epoche der Menschheit, aber auch Kultur und Handel war für den Ausbau eines Machtgebiets essentiell wichtig. In Polis übernehmen die Spieler die Rollen von Athen und Sparta. Wer erwirtschaftet durch Diplomatie und Gewalt das meiste Prestige, um am Ende als Sieger hervorzugehen?

Regeln

Nachdem die Spieler ausgelost haben wer Athen und Sparta verkörpert, werden drei Projektplättchen gezogen und offen ausgelegt. Anschließend wird eine Ereigniskarte aufgedeckt und sofort ausgeführt. Der Spieler mit weniger Prestige wird Startspieler der aktuellen Runde. Nun beginnt das Herzstück von Polis, nämlich die Aktionsphase.

Beginnend mit dem Startspieler dürfen die Konkurrenten reihum in ihrem Zug zwei verschiedene Aktionen ausführen. Als Entwicklungsaktion können Hopliten (=Krieger) ausgebildet oder Galeeren gebaut werden. Weiterhin können Handelsschiffe hergestellt werden oder ein neues Projekt begonnen werden. Alle genannten Aktionen sind mit Kosten verbunden, so muss beispielsweise ein Metall für die Rüstung eines neuen Hopliten gezahlt werden oder ein Holz für den Bau eines Handelsschiffs bzw. einer Galeere. Militärische Aktionen kosten jeweils ein Prestige. Diesbezüglich dürfen Hopliten oder Galeeren bewegt werden um ein Zielgebiet belagern zu können. Um eine fremde Polis erfolgreich belagern zu können muss die Anzahl der eigenen Hopliten mindestens dem Befestigungswert der Stadt entsprechen. Ist diese Voraussetzung erfüllt, wird mit einem vierseitigen Würfel ermittelt, ob die Belagerung gelingt. Wird die Polis eingenommen, so erhält der Spieler das dazugehörige Polisplättchen (ggf. mit angefangenen Projekt) und der Prestigegewinn entspricht dem Befestigungswert der eroberten Stadt. Stehen acht oder mehr Hopliten in einem Gebiet, kommt es zum Kampf, der durch das Ausspielen von Kampfkarten entschieden wird. Last not least kann der aktive Spieler als militärische Aktionen noch einen Tribut einfordern, sofern er ein Landgebiet annektiert hat, das überhaupt Waren herstellt. Die Anzahl der zu fordernden Tribute richtet sich nach der Anzahl der eigenen Hopliten in diesem Gebiet. Politische Aktionen sind ebenfalls möglich. Hierzu gehören das Treiben von Handel sowie das Bewegen des eigenen Proxenos (=Botschafter/Diplomat). Dieser Proxenos kann auch einen Bürgerkrieg anzetteln um so die bestochene Bevölkerung zum Wechsel in die eigene Poleis zu bewegen. Diese Aktion ist jedoch mit erheblichen Silberkosten verbunden, die der doppelten bzw. dreifachen Grundbevölkerung von neutralen bzw. gegnerischen Städten entspricht. Sollte ein Proxenos irgendwann einmal gefangen genommen worden sein, kann er als Aktion gegen Abgabe zweier Silber freigekauft werden. Sobald beide Spieler gepasst haben endet die Aktionsphase und das Rundenende wird eingeläutet.

Nun werden begonnene Projekte fertig gestellt und entsprechendes Prestige eingefahren. Anschließend muss die Gesamtbevölkerung mit Weizen ernährt werden. Ist dies nicht möglich muss die Differenz mit Prestige bezahlt werden oder eine Polis/Poleis abgegeben werden. Sofern ein Spieler dann noch über Weizen verfügt kann er seine Bevölkerung wachsen lassen. Das kostet je einen Weizen pro Bevölkerungsstein. Hierbei sind jedoch die maximale Wachstumsrate und das Bevölkerungsmaximum zu berücksichtigen. Nun erhält jeder Spieler einen Prestigepunkt für jede eigene Megalopolis. Eine Megalopolis liegt vor, wenn die Anzahl der Bevölkerungsklötzchen den Wert der Grundbevölkerung übersteigt. Anschließend verdirbt immer die Hälfte des gelagerten Weins, Öls und Weizens. Das betrifft natürlich beide Spieler. Last not least können die Spieler nun Prestige gegen Silber eintauschen und die nächste Runde wird vorbereitet.

Das Spiel kann vorzeitig auf drei verschiedene Arten enden. Ein Spieler kann seine Hauptstadt nicht versorgen, ein Spieler besitzt am Rundenende kein Prestige mehr oder ein Spieler kann fällige Kosten an Prestige nicht vollständig bezahlen. In diesen Fällen verliert der betroffene Spieler sofort beim Eintreten der geschilderten Voraussetzung. Ansonsten endet Polis nach der vierten Runde. Dann wird die Summe der Gesamtbevölkerung plus aktuelles Prestige plus das Prestige (in Klammer) auf Projektplättchen ermittelt und der Spieler mit den meisten Siegpunkten hat dann gewonnen.

Meinung

Polis ist ein Schwergewicht unter den Zwei-Personen-Strategiespielen. Aber trotz aller Komplexität ist das Spiel nicht zu kompliziert, sondern in sich schlüssig. Und genau das macht ein echtes Hammerspiel aus – Anspruch auf nachvollziehbarem Niveau. Aber als deklariertes Schwergewicht ist Polis natürlich alles andere als leichte Kost. Die Spieler sollten auf jeden Fall viel Zeit und Geduld mitbringen, denn in den ersten paar Partien könnten sich sogar gestandene Strategen leicht überfordert fühlen. Das liegt zum einen an der Vielzahl von Regeln (inkl. Ausnahmen), auf die in der Ablaufbeschreibung natürlich nicht hundertprozentig eingegangen werden konnte. Die Erläuterung sämtlicher Details und Feinheiten hätten den Rahmen gesprengt, daher sei an dieser Stelle angemerkt, dass der Erklärbär mindestens ein bis zwei Stunden für das Regelstudium veranschlagen sollte.

Zum anderen liegt eine potentiell mögliche Überforderung an der Tatsache, dass sämtliche Elemente des Spiels ineinander verzahnt sind, und dass ein Spieler bei seinem Einstand nur sehr schwer erkennen kann, welche Reihenfolge den meisten Sinn macht. Zweifellos sind Prestige, Weizen und Silber die wichtigsten Rohstoffe, doch diese erhält man in der Regel nicht so einfach. Eine Vermehrung der Hopliten und Galeeren erfordert Metall bzw. Holz, und demzufolge dürfen auch diese Waren keinesfalls unterschätzt werden. Die gegenseitigen Abhängigkeiten wurden in Polis nahezu perfekt aufeinander abgestimmt. Daher kann Polis auch nicht als reines Kriegsspiel angesehen werden. Vielmehr beinhaltet das Spiel gleichermaßen Elemente von Schach, Risiko und Civilization.

Ein gutes Ressourcenmanagement ist von unschätzbarem Wert, denn ohne ein abgestimmtes Gleichgewicht ist das Spiel nur schwer zu gewinnen. Bei erfahrenen Hardcore-Strategen rächt sich sogar der kleinste Fehler, der von einem richtig starken Gegner gnadenlos ausgenutzt wird. Demzufolge eignet sich Polis selbstverständlich nur für die Gruppe der Vielspieler. Gelegenheitsspieler und Familien dürften mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit maßlos überfordert sein. Das betrifft sowohl die Vielzahl des Regelwerks als auch die Komplexität der Verzahnungen. Wobei an dieser Stelle nochmals anzumerken ist, dass die Regeln durchaus logisch sind und sich nebenbei bemerkt auch an der Geschichte orientieren.

Welche Strategie ist eigentlich zu empfehlen, um Polis zu gewinnen? Diese Frage kann zumindest vom Verfasser dieser Rezension nicht abschließend beantwortet werden. In den Testrunden kristallisierte sich jedenfalls kein sogenannter „Königsweg“ heraus. Beide Spieler agierten zugegebenermaßen eher zurückhaltend, um nicht in Gefahr zu laufen das Spiel vorzeitig zu verlieren. Primär wurde auf Prestige und Silber geachtet, wobei der Weizen natürlich auch eine große Rolle gespielt hat. Doch die Zwangsabgabe einer Polis oder gar mehrerer Poleis am Rundenende wurde relativ schmerzfrei hingenommen. Abgegebene Poleis konnten in der Folgerunde relativ einfach zurück annektiert werden. Nicht zu vernachlässigen ist eine taktische Blockade des Kontrahenten. Ist absehbar, welches Zielgebiet der Gegner im Auge hat, sollte der Weg dorthin ruhig blockiert werden sofern eine solche Blockade auch für die eigene Strategie sinnvoll ist.

Kommen wir zum Schluss dieses Meinungsblocks nun zum wichtigsten Faktor eines jeden Spiels, nämlich zum Spielspaß. Da beide Tester bekennende Strategiefreunde sind, fallen sie natürlich in das Raster von potentiellen Fans. Und in der Tat konnten/können die Spieler Polis nur in hohem Maße loben. Das Spiel ist super ausbalanciert und verbreitet über die gesamte Spielzeit (ca. zwei bis zweieinhalb Stunden) große Spannung und Spaß. Lediglich das Auswürfeln des Belagerungsergebnisses kam bei einem Spieler nicht ganz so gut an, aber das ist Jammern auf höchstem Niveau (wie er auch selbst zugegeben hat). Neben dem hohen Spielspaß ist auch zu vermelden, dass Polis einen großen Wiederspielreiz hat. Alles in allem gibt es an Polis einfach nichts zu bemängeln. Wer ein hochanspruchsvolles Zwei-Personen-Strategiespiel sucht, ist hier goldrichtig aufgehoben.

Fazit

Polis ist ein tolles Spiel, das perfekt ausbalanciert ist. Wer die erforderlich Zeit und Geduld sowie das nötige Faible an Komplexität mitbringt, sollte sich in Polis unbedingt mal reinarbeiten. Es lohnt sich!


2014-05-19, Wolfgang Volk (heavywolf)



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Bewertungen
9.5heavywolf
12.05.2014
ausgezeichneter Zwei-Personen-Strategiehammer für Vielspieler

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