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Datenblatt image
ID 16898

PANAMAX


cover
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2-4

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90 - 120 Min

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ab 12


f5
Bewertung angespielt: 7.0 von 10
punkte

Score gesamt: 58.0% von 100
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Rezension

Ziel

Als Geschäftsführer einer Speditionsfirma nehmen die Spieler Aufträge von den nordamerikanischen Küsten sowie China und Europa an. Primäres Ziel ist die Beförderung von Fracht, aber auch Kreuzfahrtschiffe schippern von West nach Ost (und umgekehrt), um Passagiere für diverse Vorteile zu befördern. Doch die Protagonisten sind nicht nur Geschäftsleute, sondern auch Privatiers. Und am Ende gewinnt der Spieler mit dem größten Privatvermögen, daher kann sich die Investition in Fremdfirmen durchaus lohnen, wenn absehbar ist, dass deren Aktien steigen.

Regeln

Zunächst wird der Spielplan in die Mitte gelegt und mit allen benötigten Utensilien bestückt (z.B. Bonuskarten, Würfelvorrat, Spezialschiffe usw.). Jeder Spieler erhält seine Firma mit vier Aktien der eigenen Farbe sowie 18 Dollar als Geschäftskapital (auf die Firmentafel legen). Davon losgelöst erhalten die Spieler jeweils sechs Dollar und eine Aktie als Privatvermögen (in den persönlichen Bereich legen). Generell ist die Trennung zwischen Firmen- und Privatvermögen essentiell wichtig für den gesamten Spielverlauf. Weiterhin beginnen die Spieler mit zwei Finanzberaterkarten, einer Vertragskarte und den Würfeln der eigenen Farbe.

Der zentrale Bereich des Spielplans zeigt die verfügbaren Aktionsmöglichkeiten. Panamax ist ein Diceplacement Spiel. Zu Beginn werden 16 Würfel geworfen und nach Augenzahl in die entsprechenden Felder platziert. Würfel mit Zahlen von 1-3 erlauben Schiffsbewegungen, währen die Zahlenwerte von 4-6 Auftrags- und Verladeaktionen ermöglichen. Der aktive Spieler nimmt einen Würfel aus einer Spalte und führt die entsprechende Aktion aus. Schiffsbewegungen unterscheiden sich in Wasserbewegungen und Schleusenbewegungen. Die Symbole auf dem Spielplan geben die erforderliche Bewegungsart vor. Grundsätzlich bewegen sich die Schiffe von West nach Ost bzw. umgekehrt. Der Weg hängt vom Starthafen ab. Aufträge hängen vom erforderlichen Hafen ab und erlauben die entsprechende Verladung von Fracht. Erledigte Aufträge bringen dem Spediteur Geld ein. Die Summe ist abhängig von den verschifften Würfeln (=Fracht). Auch fremde Spieler dürfen sich am Verschiffen beteiligen und erhalten nach Ablieferung ebenfalls Vorteile.

Transportierte Würfel auf Passagierschiffen (=Passagiere) bringen dem Spieler kein Geld ein, aber dafür erhält der Spediteur einen permanenten Vorteil, der für das ganze Spiel gilt. Militärschiffe sind neutral und können von allen Spielern bewegt werden. Dafür gibt es Geld gemäß der Landesmarker, die man durch erfüllte Aufträge erhält.

Generell erhalten die Spieler Geld für Dividenden von Firmen, an denen man Anteile hält sowie durch die angesprochenen Militärschiffsbewegungen. Am Ende gibt es noch Kohle für den Verkauf aller eigenen Firmenanteile und eventuell für diverse Finanzberater-Sonderkarten. Außerdem bekommen die Spieler mit den profitabelsten Firmen nach jeder Runde einen Direktorenbonus. Im Lauf einer Partie können auch Firmenanteile (Aktien) von fremden Firmen erworden werden. Panamax endet nach der dritten Spielrunde. Der Spieler mit dem größten Privatvermögen (nicht das Firmengeld!) hat dann gewonnen.

Meinung

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Selten war dieses Sprichwort bezogen auf ein Brettspiel so berechtigt wie im Fall von Panamax. Das Studium des Regelwerks ist reinste Knochenarbeit und bereitet in etwa genauso viel Freude wie eine Hämorride beim sch…
Die Anleitung ist fürchterlich konzipiert, grauenhaft strukturiert und miserabel geschrieben. Der Autor dieser „Perle“ schafft es bravourös, einen an sich simplen Mechanismus derart zu verkomplizieren, dass der Spielreiz bereits nach dem Durchlesen der Hälfte gänzlich in den Keller geht und der designierte Erklärbar über die Forderung von Schmerzensgeldansprüchen nachdenken sollte. Und das ist wirklich jammerschade, denn eigentlich ist Panamax ein richtig geiles Spiel.

Hat man sich nämlich endlich durch die Spielregel durchgeackert, offenbart Panamax ein erfrischend neues Thema, gepaart mit Spielwitz, Tiefe und Anspruch. Geeignet ist das Ganze ausschließlich für Kenner, Experten und Vielspieler, während Familien und Gelegenheitsspieler gnadenlos überfordert sein dürften. Eine große Hürde beim Einstieg ist neben der schriftlichen Regelgrütze die konsequente Trennung von Firmen- und Privatvermögen. In vielen Fällen mehren sich bei Geldausschüttungen die Fragen, ob die Kohle nun in den Privatbesitz übergeht oder als Kapital bei der Firma bleibt. Dieses Element muss unbedingt verinnerlicht werden, um das Spiel im Gesamtkontext zu verstehen. Wer diese Hürde gemeistert hat muss dann noch die vielen Details lernen/beachten, auf die in der Ablaufbeschreibung natürlich nicht in Gänze eingegangen werden konnte. Dann wird der geneigte Experte mit einem richtig guten Wirtschaftsspiel belohnt, das trotz Ecken und Kanten seinen Reiz hat.

Grundsätzlich sind bei Panamax die Frachtgutkosten im Auge zu behalten. Wer hier zuviel bezahlt, bekommt später Probleme mit den Investitionen und der Devisenausschüttung der Folgerunden. Waren im Lagerhaus sind totes Kapital. Ein Verschiffen lohnt sich in jedem Fall, gegebenenfalls sogar auf einem Schiff eines Mitspielers. Überhaupt sollten die Spieler durchaus auf Aktien und Schiffsverladungen ihrer Gegner setzen, um ein gut balanciertes Portfolio sein Eigen nennen zu können. Wer nur an seine eigenen Aufträge und seine eigenen Firmenaktien denkt, hat in der Regel wenig Chancen auf den Sieg. Auch die Bewegung von Militärschiffen kann sich lohnen, wenn man entsprechende Ländermarker besitzt. Und auch Finanzberaterkarten bringen unter Umständen viel Geld ein, so dass auch diese immer im Hinterkopf präsent sein sollten.

Jede Entscheidung will gut überlegt sein, weshalb Panamax in Grüblerkonstellationen nahezu immer die angegebene Spielzeit überschreitet. Vor allem in den ersten paar Partien sollten die Spieler mit mindestens drei Stunden kalkulieren, denn in Verbindung mit ausgiebigen Nachdenken ist diese Dauer absolut nicht ungewöhnlich. Ein optischer Leckerbissen ist Panamax sicher nicht. Das Spiel ist zweckdienlich gestaltet, aber ein Augenorgasmus stellt sich definitiv nicht ein.

Fazit

Panamax ist grundsätzlich ein gelungenes Kennerspiel, das aufgrund der grottenschlechten Spielanleitung und der gediegenen Optik aber massive Punkteabzüge hinnehmen muss. Wer Spiele wie Funkenschlag zu seinen Favoriten zählt, kann sich über eine Anschaffung aber sicherlich Gedanken machen (wobei anzumerken ist, dass diese beide Spiele grundverschiedene Mechanismen haben). Hat man Panamax erstmal verstanden, macht das Spiel richtig viel Spaß (zumindest den Wirtschaftsspiel-Experten).


2016-01-11, Wolfgang Volk (heavywolf)



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Bewertungen
7heavywolf
18.12.2015

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