Ein Lob bekommt Hansa Teutonica für den beidseitig bedruckten Spielplan, denn mit diesem ist ein gut angepasstes Spiel für entweder zwei bis drei oder vier bis fünf Spieler möglich. Die Spielerschreibtische sehen toll aus, tragen somit etwas zur Spielatmosphäre bei und sind auch sehr übersichtlich. Die Spielregel ist zwar etwas umfangreicher, enthält aber gut platzierte und sinnvolle Randnotizen. Zusätzlich gibt es auf der Verlagshomepage www.argentum-verlag.de eine kleine Tabelle für die doch etwas komplexere Endwertung, die ganz nützlich sein kann.
Es gibt Spiele, die überzeugen einen erst nach ein bis zwei Partien. Andere begeistern einen überhaupt nicht und manche wie zum Bespiel Hansa Teutonica reißen einen gleich von Beginn an mit. Grund dafür ist in diesem Fall unter anderem das sehr eingängige Spielprinzip, das erstaunlich viel Tiefgang aufweist. Außerdem trägt vor allem das Element der verbesserbaren Händlereigenschaften einen großen Teil zum insgesamt sehr positiven Eindruck bei. Je besser sich ein Spieler nämlich weiterentwickelt, desto größer wird sein Handlungsspielraum in allen Bereichen. Dass durch diesen Aspekt die Handelsrouten, welche eine Eigenschaftsentwicklung ermöglichen vor allem zu Beginn einer Partie hart umkämpft sind, versteht sich von selbst. Ein zweiter Vorteil durch das Verbessern der Eigenschaften entsteht automatisch durch das damit verbundene Entfernen der Händlersteine vom Schreibtisch. Erst danach stehen nämlich diese zuvor gebundenen Händler dem Spieler für Aktionen zusätzlich zur Verfügung.
Die Händlereigenschaft Actiones ist vor allem am Anfang einer Partie sehr bedeutend. Je mehr Aktionen jemand zur Verfügung hat, desto mehr kann er in seinem Zug auch bewegen. Wird diese Eigenschaft zu spät verbessert, laufen einem die Mitspieler schnell den Rang ab. Des Weiteren möchte meistens jeder in seinem Zug so viel machen, dass die zur Verfügung stehenden Aktionen sowieso nie ausreichen. Nicht zuletzt aus diesem Grund müssen die eigenen Züge auch immer knallhart durchkalkuliert werden. Konzentriert sich ein Spieler allerdings zuviel auf das Weiterentwickeln seiner Eigenschaften und vernachlässigt zum Beispiel dadurch das Gründen von Niederlassungen, wird sich dies wiederum bitter rächen. Wer nämlich am Ende keine Niederlassungsmehrheiten in Städten vorweisen kann und noch dazu kein allzu großes zusammenhängendes Netzwerk hat, dem werden auch die tollsten Eigenschaftswerte nicht viel bringen. Städte die nur ein oder zwei Niederlassungen erlauben, sollten daher frühzeitig besetzt werden. Sehr sinnvoll ist es außerdem, die Eigenschaft Privilegium weiter zu verbessern, da erst dann höherwertige Niederlassungen besetzt werden können und diese oftmals über Gleichstände entscheiden werden.
Mitunter das Beste an Hansa Teutonica sind die vielseitigen Möglichkeiten, mit denen an die begehrten Prestigepunkte heran zu kommen ist. Egal ob Punkte durch Niederlassungen, Bonusmarker, Handelsrouten oder durch eine Ost-West-Verbindung, es werden sich reihenweise Strategievarianten ergeben, die ausprobiert werden wollen, um am Ende noch besser zu sein als beim letzten Mal.
In der 2-Spieler-Variante wird der Spielplan in Provinzen aufgeteilt und es kommt eine Figur ins Spiel, die von den Teilnehmern von Gebiet zu Gebiet gezogen werden darf. Handelsrouten dürfen dann immer nur auf den Strecken errichtet werden, die an die Provinz mit der Spielfigur angrenzen. Dies funktioniert zwar, ist aber kein Vergleich zu einer Partie mit den normalen Regeln. Im Zweierspiel gehen sich nämlich die Beteiligten einfach zu viel aus dem Weg und auch Bonusmarker werden nur spärlich gesammelt. Wird bei nur zwei Händlern daher noch recht friedlich agiert, entbrennt bei drei, vor allem aber bei vier oder fünf Spielern ein richtiger Händlerwettstreit um die begehrtesten Routen und Niederlassungen. Kein Gegner darf dann außer Acht gelassen werden, niemandem darf es allzu leicht möglich sein, sich dauernd weiter zu entwickeln und beliebig Niederlassungen zu gründen. Auch der ein oder andere Bonusmarker kann dann ab und zu richtig gewinnbringend eingesetzt werden, da durch diese zusätzliche Niederlassungen errichtet, Eigenschaften weiterentwickelt, gegnerische Händlersteine entfernt und Niederlassungen ausgetauscht werden können. Da Bonusmarker nach der Verwendung nicht abgegeben werden müssen, weil sie am Spielende noch Zusatzpunkte einbringen, sind diese doppelt wertvoll.
Wer am Ende des Spiels ein einigermaßen großes zusammenhängendes Netzwerk und ein paar Niederlassungsmehrheiten in den Hansestädten vorzeigen kann, dazu zwei oder drei Eigenschaften voll entwickeln konnte und auch während des Spiels gut Punkte gemacht hat, der wird bei der Endabrechnung mit vorne dabei sein. Vor allem die Kontrolle über eine Stadt mit Piktogramm lohnt sich natürlich während einer Partie immens, da es dafür immer einen Prestigepunkt gibt, wenn ein Spieler eine Handelsroute zu der betreffenden Stadt hergestellt hat. Es gibt bei Hansa Teutonica sicherlich viele Wege die zum Ziel führen, vor allem aber muss die eigene Strategie auch immer nach den Mitspielern ausgerichtet werden. |