„Creationary“ – ein Titel, der Hoffnung weckt. Denn was liegt näher, als die Kernkompetenz des Lego-Universums, das Konstruieren von Miniatur-Abbildungen zu allerlei Dingen mit einem Partyspiel zu verknüpfen, bei dem es um genau das geht: Dinge zu umschreiben? Doch leider gelingt es Lego hier nicht, seine Stärken auszuspielen. Dies hat eine Menge verschiedener Ursachen, die in Summe ein eher begeisterungsloses Gefühl zurücklassen. Da ist zum Ersten die Tatsache, dass das Regelwerk lückenhaft wirkt, eher wie ein Sammelsurium von unausgereiften Ideen. Wer beispielsweise die zweite Variante ausprobieren möchte, stolpert unweigerlich über die Frage, wie viele Objekte denn erraten werden dürfen und wie lange das gehen darf.
Einigen sich die Spieler grundsätzlich auf ein Zeitlimit (egal bei welcher Variante), zeigt sich eine erstaunliche Diskrepanz zwischen Erwartungshaltung und Realität. Denn mit Lego-Steinen lassen sich eben nicht innerhalb weniger Sekunden erkennbare oder gar gute Objekte basteln, sodass die Kunstwerke entweder ziemlich misslungen aussehen, oder die Wartezeiten der Mitspieler einfach zu groß werden.
Das Fehlen einer erfahrenen Spieleredaktion macht sich auch noch an andere Stellen bemerkbar, beispielsweise bei den Objektabbildungen auf den Karten. Statt Begriffe zu verwenden, sind auf den Karten mittelmäßige Zeichnungen zu finden, die zwar für internationale Versionen nicht übersetzt werden müssen, gleichzeitig aber viele Fragen aufwerfen. Gilt „Auto“ jetzt als korrekte Antwort für einen Buggy? Muss der Konstrukteur den Unterschied überhaupt kennen und Erkennen, bzw. ist er in der Lage die feinen Unterschiede darzustellen? Besonders unschön ist, dass manch Objekte nicht einmal richtig klar sind, bzw. dass den Spielern überhaupt keine richtige Bezeichnung zu dem abgebildeten Ding einfällt. Wie soll so etwas erraten werden, wenn nicht durch wilde Umschreibungen?
Dass das Tiefziehteil des Baukastens die Steine zwar nach Farbe und Funktion teilen lässt, aber eine waagerechte Lagerung oder zusätzliche Ziptüten erfordert, ist da gänzlich nebensächlich. Denn schnell stellen die Spieler fest, dass sie mit den Legosteinen lieber etwas ganz anderes machen wollen, als ein Partyspiel zu spielen. Sie wollen bauen. Zumindest die männlichen Teilnehmer. Und die finden hier auch jede Menge Material für tolle Ideen, von wilden Fahrzeugkonstruktionen über Militärmaschinerie bis hin zu friedlichen Gebäuden. Denn hier liegt die wahre Stärke von Lego, die dafür sorgt dass kaum ein Besitzer des Spiels es wieder loswerden möchte. |