Die Gestaltung der Karten ist witzig und dem chaotischen Geschehen angemessen. Ein herkömmliches Schachspiel
kommt mit dem Einsatz der Tschach-Karten jedenfalls nicht mehr zustande. Die unkalkulierbaren Auswüchse
genialer Schaffenskraft machen jeden Ansatz zunichte, über mehrere Züge zu planen oder gar ein
Positionsspiel zu forcieren. Bei Tschach wird eine Materialschlacht gespielt - statt durchdachter Winkelzüge
entscheiden überraschende Kartentexte über Erfolg und Niederlage.
Die meisten Texte setzen allerdings ein wenig Bewegungsfreiheit voraus, die zu Spielbeginn noch nicht gegeben ist. Folglich
kommen die Karten nur schleppend ins Spiel - die Eröffnungsphase läuft weitestgehend "ungestört". Nach dem
großen Schlagabtausch sammeln sich zum Spielende dann wieder Karten an, die nicht mehr ausgespielt werden können.
Weil die Figuren längst geschlagen wurden. In dieser Phase häufen sich dann die Abwürfe.
Doch nicht nur das. Häufig führt das chaotische Treiben auf dem Brett zu derart ausgeglichenen Zuständen,
dass sich das Endspiel deutlich hinauszögert. Wenn kaum noch Figuren übrig sind, ist es halt deutlich schwerer
den Gegner matt zu setzen. Vor allem, wenn dieser sich immer wieder mittels irgendwelcher Tricks aus der Bedrohung
entfernen kann. Ein typischer Verlauf sieht so aus: 10 Minuten Spieleröffnung, 20 Minuten Gemetzel, 30 Minuten
Endspiel.
Allerdings bringt es auch nichts, nur auf gute Karten zu hoffen um den Gegner damit plattzumachen. Der beliebte Trick,
sich selbst in eine ausweglose Lage zu bringen (z.B. durch Kamikaze-Aktionen oder Selbst-Schlagen) um dann für
drei Runden die Seite tauschen zu dürfen und innerhalb dieser drei Runden den überraschten Gegner festzunageln,
ist genauso hinterhältig wie riskant. Denn er geht nach hinten los, wenn der Gegenspieler die Wirkung der Karte
neutralisieren kann. Es sei denn, eine weitere starke Karte zwingt ihn unmittelbar zuvor seine (hoffentlich einzige)
Abwehrkarte zu verpulvern...
Tschach ist also tatsächlich ein ziemlich planloses Gemetzel mit Schachfiguren. Ist es deswegen doof? Nö. Ganz
und gar nicht. Die Aktionen sind einfach zu unterhaltsam! Tschach macht aus Schach etwas ganz anderes, nämlich
ein phasenweise sehr lustiges Abtauschspiel, das außer den Bewegungsregeln nichts mehr mit ihm zu tun hat.
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