Die Aufmachung von ...aber bitte mit Sahne ist absolut gelungen. Die Kuchenstücke sind sehr ansprechend
gestaltet und sorgen für eine angenehme Nachmittags-Stimmung. Die kleine Verpackung ist nahezu randvoll
damit gefüllt und stellt einen erfreulichen Kontrast zu vielen übergroßen Müllpackungen
anderer Spiele dar. Das Highlight ist aber die Anleitung, die in ihren Beispielen mit den Spielern Mathilde,
Otilie, Marie und Liliane agiert. Ob Udo Jürgens dieses Spiel schon kennt?
Leider gibt es auch eine Diskrepanz zwischen der Anleitung und den Kuchenstücken: Bei der Produktion wurden
versehentlich die Sahnehäbchen der Stachelbeer-(9) und Kirsch(5)-Stücken vertauscht. Eigentlich hätten
die Kirschen nur ein Häbchen bekommen sollen und die Stachelbeeren zwei, so wie es auch in der Anleitung
beschrieben ist. Da dieser Produktionsfehler keine nenneswerten Auswirkungen auf das Spielgeschehen oder das
Verständnis desselbigen hat, ist es empfehlenswert die Anleitung an dieser Stelle zu ignorieren und einfach
mit den aufgedruckten Werten zu spielen.
Das Spielgeschehen lebt vom "ich teile - Du wählst"-Prinzip. Während zu Beginn eine möglichst gleiche
Aufteilung des Kuchens für den Geber das Sinnvollste ist, führen das Sammeln verschiedener Sorten im
Laufe des Spiels zu immer mehr Optionen. Denn wer bereits eine bestimmte Sorte sammelt, wird sich dort die Mehrheit
nur ungern wieder wegnehmen lassen - ein Umstand, der sich ausnutzen läßt. Zumindest begrenzt, da
auf die Reihenfolge der Stücke eines Kuchens kein Einfluß besteht und das Verhalten der Mitspieler häfig
nicht vorhersagbar ist - dies gilt umso mehr, je mehr Spieler teilnehmen. Die Möglichkeit einen Kuchen in
weniger Teile als Spieler einzuteilen macht ohnehin nur
in sehr seltenen Ausnahmefällen einen Sinn, und zwar nur dann wenn offensichtlich ist dass ein Spieler seine
gesammelten Werke verspeisen muss.
Wichtiger als die Aufteilung eines Kuchens sind die Entscheidungen danach: Welche Sorten möchte ich sammeln und
was wird sofort verspeist? Bei den seltenen Pflaumen- und Aprikosenstücken mag dies noch einfach sein, schliesslich
gibt es hier nur drei beziehungsweise vier im gesamten Spiel. Statt einen Punkt fürs Sahnehäubchen sind durch
das Sammeln also schnell sicherer drei beziehungsweise vier Punkte drin. Bei den wertvollen Schokotorten sieht das
aber anders aus, schliesslich lungern insgesamt 11 davon rum. Da lohnt sich das Risiko des Sammelns meist erst in
der zweiten Spielhälfte - oder wenn sich schon frühzeitig die Gelegenheit bietet, gleich mehrere davon in
einem Teil auswählen zu dürfen.
Im Zweifelsfall ist es jedenfalls selten eine schlechte Idee, die gleichen Sorten zu sammeln wie der nachfolgende
Spieler. Denn in fast allen Runden darf dieser erst später auswählen, sodass es einfach ist bei seinen
gesammelten Sorten die Mehrheit zu erlangen. Spätestens wenn alle Spieler diesem Beispiel folgen, werden die
taktischen Komponenten spürbar. Dann sollte aber besser kein Grübler mit am Tisch sitzen, der sich einfach
nicht entscheiden kann wie er seinen Kuchen aufteilen soll. Ein Mitzählen der bereits verteilten Stücke ist
dagegen für die selbst gesammelten Sorten durchaus förderlich, obwohl zwei der 57 mitgelieferten
Kuchenplättchen nicht am Spiel teilnehmen.
Mit dem Berechnen und Abschätzen sollte aber nicht übertrieben werden, denn ...aber bitte mit Sahne
versteht sich nicht als Strategiespiel, sondern bietet eher leichte Kost, die so auch genossen werden sollte. Es ist
schnell zubereitet, leicht verdaulich und für gewöhnlich wohlbekömmlich. Lediglich
Familienspiel-Diabetiker sollten eher zu kalorienärmeren Spielen greifen.
09.12.2008
, Carsten Pinnow
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