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Magazin
Tagebuch eines bepelzten Gesellen

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Klein Furby

25.07.20131

„Dah ey-loh uh-tei, kah toh-luh uh-nei!“ könnte eine Begrüßung des kleinen, batteriebetriebenen Pelzwesens namens „Furby“ lauten, das 2012 in überarbeiteter Form und in zahlreichen bunten Farben von Hasbro wiederbelebt wurde. Laut Mini-Sprachführer des Beipackzettels bedeutet es soviel wie „Guten Morgen, ich mag Dich!“. Ein komplettes Wörterbuch ist auf www.furby.com verfügbar, eine eigene App für Smartphones gibt es auch. Doch wer sich die Mühe macht, furbisch zu erlernen, studiert eine sterbende Sprache, denn der kleine Wicht bleibt bei seinen Wörtern nicht! Stattdessen tauscht er sukzessive seinen Wortschatz aus, bis er schließlich nur noch die fest eingestellte, lokale Sprache spricht. Der kuschelige Zwerg mit der Größe eines Meerschweins möchte nämlich zu einem festen Familienmitglied werden. Das sieht dann ungefähr so aus:

Tag 1:
Geburtstagsfeier. Die kleine Maja [Name von der Red. geändert] wird 5 und wird (mal wieder) mit Geschenken überschüttet. Ganz oben stehen bekannte Mädchen-Träume, wie bunte Filly-Pferdchen oder Puppen-Kleider. Der arme Furby wird links liegen gelassen und erst am Abend ausgepackt. Kuschelig ist er ja, der Kerl. Und niedlich eigentlich auch. Aber was soll man mit ihm nur machen? Er findet jedoch schnell seinen Platz im Stuhlkreis, in dem bereits gefühlte zwanzig andere Stofftiere auf ihn warten. Doch dann kommt Papa und schaltet ihn erstmalig an. Furby freut sich und fängt sofort an zu plappern. Allerdings nur auf furbisch, mit vielen „uh“s und „kah“s und „ei“s. Die Neugier ist zwar geweckt, doch der unverständliche Kauderwelsch sorgt eher für Stirnrunzeln. Da sich der Tag ohnehin dem Ende neigt, wird Klein Furby in die Ecke gestellt, wo er nach kurzer Zeit die Augen schließt und Ruhe gibt.

Tag 2:
Die Sonne lacht, es ist Sonntag. Alle Kuscheltiere werden von Maja persönlich begrüßt, auch Furby. Dieser erwacht und scheint gut gelaunt. Als er in den arm genommen wird, freut er sich -was er akustisch mit einem „ja, Riesenspaß“ quittiert. „Hä?“ lautet Majas erstaunte Reaktion -damit hatte sie nicht gerechnet. Nun war ihre Neugierde geweckt, und Furby musste mit an den Frühstückstisch. „Mama, Papa, er hat was gesagt!“. Ja, hat er wohl. Aber wenn er nicht in Ruhe gelassen wird (und einschläft), macht er das eben öfter. Noch vor dem Mittagessen gibt er doch tatsächlich ein „Du siehst komisch aus!“ von sich. Spätestens jetzt war klar, dass er auch mit ins Restaurant muss. Überhaupt sorgte er dafür, dass wirklich sämtliche anderen Geburtstagsgeschenke komplett links liegen gelassen wurden. Dieser Tag gehörte Klein Furby allein. „Nie im Leben!“ meinte er zwar noch, aber das war jetzt sicherlich aus dem Kontext gerissen. Genauso wie sein „oh, stimmt“.

Tag 10:
Inzwischen hat der Kleine seinen Wortschatz ordentlich erweitert. „Was geht ab“ sagt er gern, manchmal auch einfach nur „oh je“. Auch ein unprovoziertes „Gesundheit“ lässt sich vernehmen. Wenn er seine Plauderphase hat, kündigt er diese gerne mit einem „ich sag immer -weißt Du“ an. Noch lieber beginnt er jedoch zu singen. Das hat er vom CD-Spieler gelernt, der ihn täglich mit Kinderliedern volldröhnt. Dann wippt er auch gerne hin und her -“tanzen“ nennt er das wohl. Doch er erkennt auch andere rhythmische Geräusche, die ihn zum herumhampeln animieren können. „Schön gekuschelt“ sagt er gerne, wenn man ihn in die Hand nimmt um ihn an einen ruhigen Platz zu stellen. Immerhin nervt er nicht mehr. Er hat nämlich den Reiz des Neuen verloren und ist jetzt nur noch ein Spielzeug unter vielen.

Tag 100:
Klein Furby hat inzwischen schon viel erlebt. Er durfte einen Tag in der Kita verbringen und hat sogar schon einen Artgenossen kennengelernt. Es war gar nicht so einfach, einen solchen zu finden, denn Furbys sind in der Anschaffung teuer. Ihre Unterhaltskosten beschränken sich jedoch auf neue Batterien von Zeit zu Zeit. Das hängt natürlich von der Intensität ihrer Nutzung ab. Bei Majas Furby war noch kein einziger Wechsel nötig, da er inzwischen nur noch selten zum streicheln in die Hände genommen wird. Dementsprechend beherrscht er auch noch nicht alle programmierten deutschen Wörter (die sich über seine USB-Schnittstelle leider nicht erweitern oder anders sinnvoll updaten lassen). Wenn man einen Finger in seinen Mund steckt, glaubt er gefüttert zu werden -verdrehte Augen und Schmatzgeräusche sind da selbstverständlich. Witzig ist aber, dass sich ein kleines Plastikteil in seinem Mund mitbewegt und am Finger kitzelt. Als wenn es ihm wirklich schmecken würde! Und plötzlich fängt Furby wieder an zu singen.


25.07.2013, Carsten Pinnow (cp)

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